Zur Seitenansicht
 

Titelaufnahme

Titel
Was? Wie? Warum? Jugendliche erforschen Flusslandschaften Förderung des Systemverständnisses als Basis für gelebte Partizipation im Flussgebietsmanagement
VerfasserPoppe, Michaela ; Böck, Kerstin ; Zitek, Andreas ; Scheikl, Sigrid ; Loach, Andreas ; Muhar, Susanne
Erschienen in
Österreichische Wasser- und Abfallwirtschaft, Berlin, 2016, Jg. 68, H. 7, S. 342-353
ErschienenSpringer, 2016
SpracheDeutsch
DokumenttypAufsatz in einer Zeitschrift
Schlagwörter (DE)Systemverständnis / Flusslandschaft / Einzugsgebietsmanagement / Ökosystemleistungen / Wissensvermittlung / Partizipation
Schlagwörter (EN)Systems-based understanding / River landscape / Catchment management / Ecosystem services / Knowledge acquisition / Participation
ISSN1613-7566
URNurn:nbn:at:at-ubbw:3-1739 Persistent Identifier (URN)
DOI10.1007/s00506-016-0325-4 
Zugriffsbeschränkung
 Das Werk ist frei verfügbar
Dateien
Was? Wie? Warum? Jugendliche erforschen Flusslandschaften Förderung des Systemverständnisses als Basis für gelebte Partizipation im Flussgebietsmanagement [1.24 mb]
Links
Nachweis
Klassifikation
Zusammenfassung (Deutsch)

Flusslandschaftsplanung und -management im Sinne einer zukunftsverträglichen Entwicklung einer Flusslandschaft sind dem Prinzip der Nachhaltigkeit verpflichtet. Ziel ist es dabei, eine Entwicklung von Flusslandschaften zu initiieren, die die Anforderungen des Natur- und Gewässerschutzes mit den sozialen und wirtschaftlichen Ansprüchen in Einklang bringt und die betroffenen BürgerInnen in den Entscheidungsprozess einbezieht. Systemverständnis und ökologische Handlungskompetenz sind für Beteiligungsprozesse wesentliche Voraussetzungen.

Im Oktober 2014 startete im Rahmen des Forschungsprogrammes „Sparkling Science“ des Bundesministeriums für Wissenschaft, Forschung und Wirtschaft das Projekt „Traisen.w3 Traisen. Was? Wie? Warum? Identifizierung und Wahrnehmung von Funktionen in Flusslandschaften und Verstehen einzugsgebietsbezogener Prozesse am Beispiel der Traisen“. In diesem Projekt arbeitet ein WissenschaftlerInnen-Team gemeinsam mit SchülerInnen und PädagogInnen zweier Oberstufenklassen des BG/BRG St. Pölten über einen Zeitraum von zwei Jahren zu Forschungsfragen des Flusslandschaftsmanagements am Beispiel der Traisen. Neben der Integration der SchülerInnen in den Forschungsprozess, in Freilandarbeiten und Datenauswertungen und -interpretationen ist vor allem die Entwicklung von Systemverständnis in Bezug auf Prozesse in Flusslandschaften Ziel des Projektes.

Die SchülerInnen wurden mithilfe der Lern-Software „DynaLearn“ angeregt, sich konzeptuelles und kausales Wissen anzueignen und damit systemische Prozesse in der Umwelt zu verstehen und in qualitative Modelle umzusetzen. Als weiteres Instrument, die Komplexität von Flusslandschaften anzusprechen, wurde das Konzept der Ökosystemleistungen verwendet. In Wissenstests sowie durch die Auswertung der qualitativen SchülerInnen-Modelle wurden das Wissen und das Systemverständnis der Schülerinnen vor und nach den gemeinsamen Aktivitäten evaluiert.

Die Auswertungen zeigten, dass regionales Wissen über den Heimatfluss und Vorgänge im Einzugsgebiet nicht im Bewusstsein der Jugendlichen verankert sind. Aufgrund der durchgeführten Schul-Workshops konnte ein signifikanter Zuwachs des Wissens und Verständnisses der SchülerInnen festgestellt werden. Die Modelle der SchülerInnen zeigten die komplexen Fragestellungen im Flussgebietsmanagement auf. Alle Modell-Szenarien der Jugendlichen spiegelten nachhaltige Entwicklungen der Flusslandschaft wider und belegten ein maßgeblich gesteigertes Verständnis der SchülerInnen für wichtige kausale Zusammenhänge an der Traisen.

Die Ergebnisse dokumentieren weiters, dass das Konzept der Ökosystemleistungen eine geeignete Methode zur Wissensvermittlung von komplexen Zusammenhängen in Flusslandschaften darstellt. Die Erhebung der Wahrnehmung von Ökosystemleistungen durch BürgerInnen, insbesondere Jugendliche, kann zu einer umfassenden Betrachtung der Flusslandschaft in zukünftigen Planungen im Flusslandschaftsmanagement beitragen. Mittels der in diesem Rahmen identifizierten Wissenslücken und des fehlenden Umweltverständnisses kann der zukünftige Bildungsbedarf hinsichtlich Funktionsfähigkeit und Leistungen von Flusslandschaften abgeschätzt werden. Gerade bei jungen Menschen ist es wichtig, das Interesse für Umwelthemen zu fördern und eine mögliche Beteiligung an Entscheidungen zu forcieren. Gezielte Initiativen sind notwendig, damit junge Menschen zukünftig als BewohnerInnen und NutzerInnen der Flusslandschaften nachhaltige Planungen und Maßnahmen unterstützen, sich aktiv an der Entscheidungsfindung beteiligen und damit Verantwortung für die Gestaltung ihrer Umwelt übernehmen.

Zusammenfassung (Englisch)

River landscape planning and management to promote the positive long-term development of river landscapes must adhere to the principle of sustainability. In this context, the goal is to initiate a development process for river landscapes that successfully reconciles the requirements of nature and water conservation with social and economic aspects, and which actively involves affected citizens in the decision-making process. A systems-based understanding and the opportunity to make ecologically relevant decisions are essential prerequisites for participative processes.

In the context of the Austrian Federal Ministry of Science, Research and Economy research program “Sparkling Science,” the project “Traisen.w3 Traisen. What?How?Why? Identification and Perception of Functions in River Landscapes and Understanding Catchment-related Processes on the Example of the Traisen River” was launched in October 2014. The project involves a team of scientists working together with teachers and students from two high-school classes from the BG/BRG St. Pölten schools over a two-year period to investigate central research questions on river landscape management using the example of the Traisen River. Beyond integrating the students in the research process, in field work, and in assessing and interpreting results, one of the projects central goals is to promote a systems-based understanding of the processes at work in river landscapes.

With the help of the learning software program “DynaLearn,” students were encouraged to acquire both conceptual and problem-solving skills, which in turn allowed them to better understand systematic processes in the environment and implement those processes in qualitative models. The concept of ecosystem services was employed as a further means of approaching the complexity of river landscapes. Using knowledge-based tests and by assessing their qualitative models, the students systems-based understanding before and after their shared activities was evaluated.

The results show that regional knowledge of their home river and key processes in its catchment area is not anchored in the students minds. The school workshops confirmed a significant increase in the students knowledge and grasp of the subject matter, while the models they produced illustrate the complex questions involved in river landscape management. All of the model scenarios the students depicted reflect sustainable developments in the river landscape and evince their considerably improved grasp of important causal relationships on the Traisen.

The results also confirm that the concept of ecosystem services offers a suitable method for conveying complex interrelationships in river landscapes. Raising awareness of ecosystem services among citizens, and especially among young people, can help to ensure that more comprehensive approaches are utilized in future river landscape planning and management efforts. Further, the gaps in knowledge and lack of environmental awareness identified in the course of the project can be used to determine the future need for education on the functions of and ecosystem services provided by river landscapes. When it comes to young people, it is essential that we promote their interest in environmental issues and offer them opportunities to join in decision-making processes. Focused initiatives are called for to ensure that these future inhabitants and users of river landscapes support sustainable planning and measures, actively participate in decision-making, and in so doing take on responsibility for shaping their own environment.

Lizenz
CC-BY-Lizenz (4.0)Creative Commons Namensnennung 4.0 International Lizenz